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Börne´s Leben

Herausgegeben von Catherine Minter und Martina Lauster

Schriften zur Literatur und zum Theater
Band 5


Gutzkows Börne-Biographie, Band 5 der Abteilung »Schriften zur Literatur und zum Theater” innerhalb der Kommentierten digitalen Gesamtausgabe von Gutzkows Werken und Briefen, ist ein wichtiges Dokument literaturpolitischer Auseinandersetzungen im Vormärz. Die ausführliche, auf Quellenstudien beruhende Darstellung ist der erste ernsthafte Versuch einer Börne-Biographie, heute aber weithin unbekannt. Das liegt vielleicht daran, dass Heines ‘Börne-Denkschrift’ ihr Erscheinen überschattete und sie für die Nachwelt dann buchstäblich im Schatten stand. Dabei war Gutzkow mit dem Abschluss seiner Biographie Heine voraus. Sie »war schon im Oktober 1839 fertig geworden und wurde zum größten Ärger ihres Verfassers von Campe [sowohl Gutzkows als auch Heines Verlag Hoffmann und Campe] so lange zurückgehalten, bis zuerst am 8. 8. 1840 Heines Werk über Börne erschienen war. Das schon belastete Verhältnis zwischen Verleger und Autor führte durch die Hinhaltetaktik Campes zum endgültigen Bruch [...]. Auch Heine und Gutzkow wurden durch ihre entgegengesetzten Bücher über Börne schließlich zu unversöhnlichen Gegnern. Diese Gegnerschaft wurde manifestiert durch die sehr unterschiedliche Rezeption beider Bücher in Deutschland: Die öffentliche Meinung stand hier überwiegend auf seiten Gutzkows (bzw. Börnes) und wies Heines Buch z.T. empört zurück.« (Wolfgang Rasch)
»Das einheitlich in einem Zuge mit einem hinreißenden Schwung Buch bleibt ... das Beste, was über Börne geschrieben« (H. H. Houben) worden ist.

Auf der beiliegenden CD-ROM wird der aktualisierte Datenbestand von www.gutzkow.de präsentiert, u. a. auch der Kommentar zu den 'Briefen eines Narren an eine Närrin'.


Leseprobe:

Je mehr nun Börne dem Jünglingsalter entgegenreifte, desto mehr veränderte sich seine Stellung zur Welt, seine Auffassung der Menschen, sein Urtheil über näher oder entfernt Liegendes. An die Ordnung seiner neuen Lage sich bald gewöhnend, gewann er auch über sie bald ein reiferes Urtheil und verhehlte sich und den Seinigen nicht die Mängel derselben. Bei seinen jährlichen Besuchen in Frankfurt sprach er sich offen über den Gang des Unterrichtes in Gießen aus und sagte z. B. Einmal von dem Geschichtsunterricht, den er empfing, mit einer Wendung, die dem späteren Schriftsteller schon anzugehören scheint: »Der Vortrag des Mannes hat den Kopf eines Riesen und die Hand eines Zwergen.« Er meinte damit das Unebenmäßige seines Aufrisses, indem er Unwichtiges gründlicher behandelte, als das Wichtigere. Sein Lehrer Schapper, der ihn einmal nach Frankfurt begleitete, wollte in ihm nicht viel erkannt haben. Er äußerte: Er hat zwar Anlage zum schriftlichen Ausdruck, sonst aber wenig Kopf. Börne's Erzieher war durch dessen Briefe jedoch schon mit dem Unterrichtsgang in Gießen bekannt genug, um darauf mit Feuer erwidern zu können, daß man lediglich die trockene, höchst langweilige, grammatikalische Methode des Mannes schuld sey. Schwerer zu beseitigen war der Einwand, daß der junge Akademiker nicht besonders fleißig wäre. Wie diese Urtheile nun aber auch immer ausfielen, (ungerecht wenigstens auch in so fern, als Börne's schwächliche Gesundheit dabei nicht berücksichtigt wurde) darüber blieb man einig, daß man mit dem jungen Mann eine gewisse Originalität, etwas Apartes in seiner Art unbedingt zuerkennen müsse.





Buch bestellen (25,- EUR)

978-3-938568-04-0, Leinen mit Schutzumschlag, 266 Seiten mit CD-ROM, Fadenheftung mit Leseband. Der Oktober Verlag bedankt sich, auch im Namen des Editionsprojektes Karl Gutzkow, für die freundliche Förderung dieses Bandes durch die Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur.
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