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So.

Über das Leben, die Kunst und den Tod


»So.« - Manchmal muß man auf den Punkt kommen – erst recht, wenn man schon halb zur Tür raus ist. Wie man das macht, ohne aufzutrumpfen, also so entschieden wie möglich, so vorsichtig wie nötig, zeigen die Texte von Martin Jürgens. ›Umwege erhöhen die Ortskenntnis‹: Die Beweglichkeit, die im Essay möglich ist, folgt diesem vietnamesischen Sprichwort - von Goethes »Fischer« bis zum Spaß auf MTV, von Lenins Mausoleum bis zu den einstürzenden Türmen in New York.


Leseprobe:

Im intellektuellen Klima unserer Tage hat ›Revolution‹ keine emphatische Konjunktur – nicht als Begriff, nicht als historische Bezugsgröße, erst recht nicht als Zukunftsprojektion oder gar als Prognose. Für akademische Milieus gilt das erst recht; das hier favorisierte Verhalten schließt per se jede Maßlosigkeit aus: Sine ira et studio soll es zugehen.
Solche Revolutionsabstinenz ist allerdings in der jüngeren Vergangenheit nicht durchweg selbstverständlich gewesen; zumindest gab es etliche symbolische und verbale Affinitäten zu Revolutionärem: So wurden etwa um 1970 in universitären Veranstaltungen (aber auch vor Fabriktoren) Zeitungen kommunistischer Kleinstparteien verteilt, deren Gründung studentischer Initiative sowie zutiefst theoretischer Einsicht entsprungen war und deren geschichtliches Selbstbewusstsein in der Maxime gipfelte, ›Revolution sei die Haupttendenz‹. Aber auch ein so wenig agitatorisches Blatt wie der STERN erschien 1968 einmal mit der vorwärts drängenden Frage als Aufmacher: »Ist die Revolution noch zu stoppen?«
All das ist nahezu allen Beteiligten gründlich vergangen, und die Erinnerungen daran sind eine Sache nostalgischer Thekengespräche, fast schon Altmännergeschichten. Nach einem kurzen, minoritären, weithin verbalrevolutionären Intermezzo ist in der intellektuellen Durchschnittsszene ein Zustand solider Besonnenheit und bleierner Ausgewogenheit wieder hergestellt worden, in dem Geist, Gedanke, Reflexion zu sich gekommen sind und den Abstand zur historischen Tat in ihren Willen aufgenommen haben – zur umwälzenden allemal.



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978-3-938568-20-0, Essay 04, 184 Seiten, Klappenbroschur.
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