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Whisky für die Engel

Schottland-Krimi mit Rezepten

Ausgerechnet der beste Master Blender Schottlands, Alastair Carnegie, verliert seinen Geruchssinn – und das auch noch vor der Premiere eines so wichtigen Whiskys, des »Whisky für die Engel«! Zu allem Übel wird er auch noch erpresst. Hobby-Ermittler Angus McDonald und sein italienischer Freund Alberto Vitiello reisen kurzerhand nach Pitlochry und übernehmen den Fall …

Pressestimmen:

»Die 270 Seiten bieten kurzweilige Spannung mit vielen falschen Fährten. Nebenbei lernt man etwas über die Arbeit hinter den Kulissen der Whisky-Industrie, den Humor der Schotten, und auch das Essen kommt nicht zu kurz. (...) Für den wegen seines verlorenen Geruchssinns erpressten Alastair Carnegie stand der bekannte Master Blender Richard Paterson Pate und bei seinem neuen und Titel gebenden Meisterwerk »Whisky für die Engel« handelt es sich um die Shackleton Replica.« (whiskyfanblog.de, 13.05.15)

»Präzise und kenntnisreich beschreibt Frank Winter die Örtlichkeiten, die Umgebung und die Vorgänge bei der Whiskyherstellung, ohne dabei in schulmeisterliche Platitüden zu verfallen. Es macht großen Spaß, den oft kauzigen Konversationen der Akteure zu folgen, die mit persönlichen Sticheleien untereinander nicht geizen, letztlich aber immer an einem Strang ziehen.« (schottlandberater.de, 01.02.16)

Leseprobe:

»Ich habe keine Ahnung, wer der Erpresser ist, Angus. Möglicherweise der Doktor. Immerhin weiß sonst niemand von meinem Leiden.«
»Er könnte es auch jemandem erzählt haben, nicht wahr?«
»Soweit zum Thema Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient! Deshalb ging ich nicht in Glasgow zum Arzt, sondern in Pitlochry, mich dabei auf einen ehrenhaften Landarzt verlassend. Du siehst, was es mir einbrachte.«
»Was ist er für ein Mensch, der Herr Doktor?«, wollte MacDonald, bereits ganz in seinem detektivischen Element, wissen.
»Groß, hager, mit dem üblichen weißen Kittel bekleidet.«
Angus stutzte. Sehr präzise war das nicht eben. »Redet er viel?«
»Mit mir sprach er kaum. Ich spürte eine gewisse Reserviertheit. Vielleicht weil ich aus einer großen Stadt komme? Wer weiß.«
»Sein Verhältnis zu den Sprechstundenhilfen?«
»Rustikal, aber herzlich. Das wiederum erinnerte mich an Glasgow.«
»Benutzt er eine Sprechanlage, um mit ihnen zu kommunizieren?«
»Da war nur eine ältere Dame. Nein, so ein Dings hat er nicht. Die Tür zum Vorzimmer ist meistens nur angelehnt.«
»Ruft er seiner Gehilfin durch den Spalt Dinge zu?«
Carnegie sah ihn verwundert an. »Sofern sie nicht ohnehin dauernd ungefragt eintritt. Woher weißt du das?«
»Von meinen eigenen Arztbesuchen. Als Detektiv versuche ich zu eruieren, wie eine vertrauliche Information in die falschen Hände gelangen konnte. Die wichtigste Frage habe ich dir noch nicht gestellt: Was will der Erpresser?«
»Zweitausend Pfund in bar.«
MacDonald fuhr sich mit dem Daumen über eine Seite des Kinns. »Die hast du ihm aber hoffentlich nicht gegeben?«
»Was hätte ich denn tun sollen, Angus? Meine Existenz stand auf dem Spiel.«
»Unbestritten und auch sehr verständlich. Doch die meisten Erpresser verlangen einen Nachschlag. Wo hast du ihm das Geld überreicht?«
»Ich legte es wunschgemäß in ein wasserdichtes Kuvert und versteckte es am Fuße des Loch Faskally.«
»Schade, bei den vielen Leuten, die da spazieren gehen, würde es auch bei guter Witterung keine Spuren mehr geben. Regnete es seitdem?«
»Gestern hatten wir einen starken Wolkenbruch.«
MacDonald sah seinem Freund tief in die Augen. »Wie bedauerlich. Hat sich der Erpresser denn wieder gemeldet?«
»Bisher noch nicht.«
»Du fürchtest es aber. Nicht wahr, Alastair? Deshalb bist du heute auch zu mir gekommen, ja?«
»Dir kann man auch nichts verheimlichen. Wirst du mir helfen?«
»Gar keine Frage, mein lieber Freund. Zumal auch das gute Trinken auf dem Spiel steht.«
»Das äh … gute Trinken?«
»Ist nur so eine Formulierung. Ich kämpfe für authentisches Essen und Trinken. Whisky gehört eindeutig zu Letzterem.«
»Hast du denn Zeit, um in die Highlands zu reisen?«
»Keine Sorge, mein Freund, die nehme ich mir.«
»Und deine … was macht die Dame noch mal hier?«
»Miss Armour ist Ernährungsberaterin und Mitglied eines Forschungsteams. Es geht darum, wie die Atkins-Diät das Abnehmen beeinflusst.«
»Quartieren sich die Wissenschaftler neuerdings in die Häuser ihrer Mündel ein?«
»Nur für eine kurze Zeit soll es so sein. Karen, meine Ärztin, denkt, dass ich so einen besseren Überblick bekomme. Aber reden wir doch über den Fall«, sagte MacDonald, der das peinvolle Thema hinter sich bringen wollte. »Entschuldige bitte die Frage, Alastair. Aber hast du Feinde?«
Carnegie zuckte mit den Schultern. »In der Firma geht es drunter und drüber. Ständig stehen die Finanzen auf der Agenda. Da wird fast jeder dem anderen ein Wolf.«
»Irgendeine bestimmte Person?«
»Diese junge Frau vom Controlling, Mrs Yarrow, sitzt mir im Nacken. Sie verdient jedoch gut. Welches Motiv sollte sie haben?«
»Oh, das Geld allein muss nicht der Grund sein. Auch eine Art Freude am Quälen könnte dahinterstecken«, sagte Angus pathetisch, »der schiere Wunsch, einen Mitmenschen zu drangsalieren.«
Jetzt hatte der Glaswegian Verständnisprobleme. Ging es noch um ihn oder eher um diese Miss Armour? »Ich glaube nicht, dass Mrs Yarrow dahintersteckt, hält sie sich doch in Glasgow auf.«
»Hm, sie müsste also einen Kontaktmann in Pitlochry haben. Eine Ermittlung vor Ort ist schon deshalb unausweichlich.«
»Und wenn dich der Erpresser erkennt? Ich soll unbedingt Stillschweigen bewahren.«
»Es ist ja nicht so, dass ich als Detektiv im Branchenbuch stehe und jeder von dieser Tätigkeit wüsste. Doch du hast recht. Sicher ist sicher. Offiziell könnte ich beispielsweise für ein Kochbuch recherchieren. Oder ich mache Urlaub. Nun aber zu deinem Whisky für die Engel.«
»Ja und weiter? Was willst du darüber wissen?«, fragte Carnegie furchtsam.
»Zweifelsohne hast du wieder ein Meisterwerk geschaffen. Eventuell ist der Feind aber in der Entstehungsgeschichte zu finden, stammte doch der Whisky, den MacRitchie auf seine Antarktisexpedition mitnahm, von der Edradour-Destillerie in Pitlochry. Die drei kürzlich unter einer der Expeditionshütten gefundenen Flaschen hat McVicar and Whitelaw bekommen, weil ihr die Destillerie vor fünf Jahren gekauft habt. Wie ist dein Verhältnis zum dortigen Master Distiller?«
»Mit ihm verhält es sich wie mit dem Arzt. Er scheint uns Menschen aus der Stadt nicht zu mögen.«
»Habt ihr oft miteinander zu tun?«
»Nur wenn ich hinfahre und Fässer für einen besonderen Blend aussuche. Das ist ihm nicht recht.«
Angus wurde hellhörig. »Warum denn bitteschön?«
»Bevor wir die Destillerie übernahmen, war er sein eigener Herr. Jetzt komme ich daher und reiße mir seine Kronjuwelen unter den Nagel, wo er sie selbst doch besser für seine …«
Weshalb die Pause? »Sprich nur weiter bitte.«
»Es ist nicht so wichtig.«
»Alastair, wir Detektive wissen, dass noch das kleinste Mosaik von Bedeutung sein kann.«
»Ich will niemanden anschwärzen.«
»Wiederhole bitte mir zuliebe, was du gehört hast.«
»Es gibt das Gerücht, dass Callander selbst eine Destillerie gründen möchte.«
»Nicht unklug, wo doch der Bedarf an Single Malts stetig wächst.«
»Mir ist egal, was er macht. Solange unsere Bestände nicht weiter bei sogenannten Unfällen abnehmen …«
»Heißt das, die Unfälle waren fingiert?«
»Das sagte ich nicht! Doch kam es zu drei Ereignissen, bei denen insgesamt fünf Fässer zu Bruch gingen.«
»Warst du bei diesen Unfällen zugegen?«
»Nein, wir mussten uns auf Callanders Wort verlassen.«
»Denkst du, dass er damit Whisky blenden möchte?«
»Ich weiß es nicht. Vielleicht veräußert er die Fässer auch auf dem Schwarzmarkt, um an Kapital für seine Firma zu kommen.«
»Ein schwerwiegender Verdacht.«
»Sagte ich doch!«
»Wir werden ihn auf jeden Fall befragen müssen. Um auf das Blenden deines Whiskys für die Engel zurückzukommen. Verrätst du mir, welche Tröpfchen du verwendet hast? Es könnte, äh, einen Zusammenhang zum Erpresser geben.«
»Die exakte Zusammensetzung kann ich dir natürlich nicht verraten …«
MacDonald nickte, das Kinn auf den ausgestreckten Fingern. »Selbstredend.«
»Ist dein Partner noch Mister Vitiello, wie du es mir einmal erzähltest?«
»Jawohl. Er ist absolut zuverlässig und mir bei der Detektivarbeit unentbehrlich.«
»Kennt er sich auch mit Whisky aus?«
»Nicht im Übermaß. Doch ist er immer bestrebt, Neues zu lernen.«
»Meinethalben. Ich habe keine Einwände. Zurück zu deiner Frage: Im historischen Vorbild ist nicht ein Tropfen Grain Whisky zu finden. Ausschließlich verschiedene Single Malts.«
»Ein Blended Malt also? Ich hätte erwartet, dass MacRitchie einen Blended Scotch für seine Männer erwarb.«
»Ich auch, Angus! Warte, es kommt noch besser. Der Whisky konnte dem Eis so gut widerstehen, weil er einen Alkoholgehalt von 47 Prozent hatte. Sogar die Korken in den drei Flaschen waren noch intakt.«
»Eine ganz besondere Mischung«, sagte Angus beeindruckt.
»Fürwahr! Die Klarheit des Whiskys beeindruckte auch die Wissenschaftler, welche die Proben entnahmen. Die Single Malts, die man bei Edradour damals zum Blenden verwendete, waren von allererster Güte.«
MacDonald hielt die Spannung nicht länger aus. »Hast du auch das Original verköstigen können?«
Carnegie blinzelte. Zum ersten Mal, seitdem er MacDonalds Haus betreten hatte, hellte seine Miene sich etwas auf und er meinte verschmitzt: »Es blieb mir nichts anderes übrig, denn ich musste mir ja ein Urteil bilden. Ein himmlischer Whisky. Überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Endlose Stunden verbrachte ich damit, jedes Detail herauszufinden. Er hat die Farbe von hellem Gold, das angenehm schimmert, wenn man ihn gegen das Licht hält. Ein edler Trunk mit dem Geruch von Birnen und frischer Ananas. Außerdem ragen Zucker und Zimt heraus. Zu der Süße kommt ein filigraner Rauch. Kurzum, ein Whisky, der beweist, dass die Erzeuger schon damals ihr Handwerk beherrschten und mit viel Liebe zum Detail arbeiteten. Ihn nachzubilden, war die schönste und größte Herausforderung meines Lebens. Nie zuvor hatten wir ein hundertjähriges Original zur Vorlage!«
»Könnte mir vorstellen, dass es nicht einfach war, etwa den filigranen Rauch, den du erwähntest, zu erzeugen?«
»Ich sage nur Islay. Natürlich nicht Lagavulin!«
»Bunnahabhain?«
»Wer weiß, Angus«, antwortete Carnegie nachdenklich.
»Aber das war bloß ein Detail. Hinzu kamen Kollegen aus den Highlands und aus dem Speysidegebiet.«
»Kannst du mir einige davon nennen?«, flehte MacDonald.
»Die Hochländer benutzte ich zur Erhöhung der Komplexität.«
»Nun lass dich doch nicht noch einmal bitten.«
»Zum Beispiel Blair Athol, Pulteney.«
»Blair Athol, die zweite Destillerie in Pitlochry?«
»Ja, weshalb?«
»Wahrscheinlich hätten die Herrschaften dort ebenfalls gerne einen Jahrhundertwhisky hergestellt. Es muss nachgerade tragisch sein, dass MacRitchie ihren Whisky damals nicht auswählte und sie nun auch bei der Rekreation in die Röhre schauen.«
»Meine Schuld ist das aber nicht!«
MacDonald war abermals über die heftige Reaktion seines Freundes erstaunt. »Aber nein, Alastair. Die Speysider für die blumigen Noten, ja?«
»Exakt. Longmorn, Tamnavulin, Glenrothes etc.«
»Wie lange dauerte es, bis du alles eruiert hattest?«
»Zwölf Monate für Schnuppern, Kosten und Mixen der Whiskys. Insgesamt dreißig habe ich verwendet, alle zwischen acht und dreißig Jahren alt.«
»So wahr ich alle schottischen Destillerien kenne: Ich kann es kaum erwarten, dein Kunstwerk zu probieren! Kamen eure Wissenschaftler, die den Whisky vorab analysierten, auch in den Genuss?«
Carnegie rieb sich die Hände. »Leider war das nicht zu realisieren. Mrs Yarrow hielt den Daumen darauf.«
»Konnten sie das Original verköstigen?«
»Auch das nicht.«
»Glaubst du, sie hegen deswegen einen Groll?«
»Ich weiß es nicht, finde jedoch auch, dass die Leute vom New Zealand Antarctic Heritage Trust ein wenig großzügiger hätten sein können. Immerhin gehen fünf Pfund vom Verkaufspreis jeder Flasche an ihre Stiftung. Wir durften nur winzige Portionen aus jeder Flasche extrahieren. Mit Hilfe von Spritzen.«
»Was wird der Whisky für die Engel kosten?«
»Zweihundert Pfund.« Carnegie beobachtete Angus jetzt genau. »Findest du, es ist zu viel?«
»Keineswegs. Aber du siehst erschöpft aus, Alastair. Wir sollten Schluss machen. Den Rest können wir in Pitlochry besprechen, vorausgesetzt, du fährst wieder hin?«
»Ich hatte es vor.«
»Wenn dir die Rückfahrt heute zu mühsam ist, kannst du gerne bei mir nächtigen.«
»Aber deine Mitbewohnerin …?«
»Schließen wir im Keller ein!«
Carnegie war nicht überzeugt. »Wird sie dir denn die Reise gestatten? Auf mich wirkt sie ein wenig herrschsüchtig.«
»So weit käme es noch, dass ein MacDonald um Erlaubnis fragen muss, bevor er sein Haus verlässt!«




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