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Münster – Noch mehr wöchentliche Geschichten

100 neue Münster-Zeitzeichen aus der na dann-Serie


Seit 2009 präsentiert der Journalist und Autor Carsten Krystofiak in der Wochenschau »na dann…« einen Stichtag in Münsters Stadtgeschichte. Die beliebte Serie erinnert an denkwürdige Ereignisse – dramatische und komische, unvergessene wie kaum bekannte.
Welche Kneipe explodierte 1978? Warum kam es wegen Kellerfenstern zu einem Riesen-Shitstorm? Wieso machte Münster den Rollschuh bekannt? …
In Band II der »Best Of« geht die vergnügliche Zeitreise weiter. Das ist großes Histotainment für alle Münster-Fans!

Leseprobe:

In dieser Woche im Jahr 1952 ...
... zog der Send wieder zurück.
KW9
Warum heißt Münsters größtes Volksfest eigentlich nicht »Kirmes« wie anderswo, sondern Send? Send kommt von Synode und schon im Mittelalter fand anlässlich der zweimal im Jahr stattfindenden Kirchenversammlung auch ein Markt statt. Die Synode tagte im Dom, der Markt breitete sich auf dem Domplatz aus. So ging das hunderte von Jahren. Doch 1855 ging Klerus und Anwohnern der Lärm von Buden, Schaustellern und Karussells auf die Nerven. Der Send wurde aufgeteilt: Die Viehhändler zogen vors Schloss, der Rest der Volksbelustigung vor die Aegidiikaserne (heute Aegidiimarkt). 1916, mitten im I. Weltkrieg, wurden beide Märkte wieder zu einem Großevent zusammengelegt und außerdem ein zusätzlicher Sommersend eingeführt. Die Veranstaltung auf dem damaligen Hindenburgplatz etablierte sich schnell als Lokalfolklore mit überregionaler Anziehungskraft. Doch mit Ausbruch des II. Weltkriegs war erstmal Schluss mit lustig. Zwei Jahre nach Kriegsende wollten die Münsteraner ihre Sendtradition gerne wieder aufnehmen, konnten aber wegen des Mangels an allem nur eine im wahren Wortsinn »abgespeckte« Version improvisieren. Der Blick auf den Send bleibt erhalten, solange Architekten mit Triebstau ferngehalten werden können. Als Ort wurde der Servatiiplatz gewählt, weil der schon weitgehend von Trümmern geräumt war. Für die nächsten vier Jahre zog der Send nun wieder auf den Domplatz. Der Hindenburgplatz wurde noch als Halde für Bombentrümmer verwendet. Seit dem Frühjahrssend 1952 findet der Send wieder auf dem heutigen Schloßplatz statt – falls ihn keine Architekten wieder zum Umziehen zwingen.

 
In dieser Woche im Jahr 1920 ...
... schloss die Uni wegen Bürgerkriegs.
KW10
Nach der Niederlage des Ersten Weltkrieges witterten Agitatoren die Chance zur kommunistischen Revolution. Die sozialdemokratische Ebert-Regierung handelte schnell und setzte »Freikorps« aus demobilisierten Frontsoldaten dagegen ein. In Münster wurde die »Akademische Volkswehr« aufgestellt. Die Studenten waren erst kurz zuvor aus dem Schützengraben heimgekehrt. Ihr erster Einsatz war ein Abwehrring um Münster, um rote Brigaden aus dem Ruhrgebiet von der Stadt abzuschneiden. Drei Monate später: Nach dem rechtsradikalen Kapp-Putsch in Berlin werden Münsters Studenten erneut einberufen und als »Akademische Wehr Münster« bewaffnet. Die Universität wird komplett geschlossen. Die studentische Truppe untersteht einem Professor, der Reservemajor ist. Das erste Gefecht findet bei Selm statt, wo sich rote Arbeiter in der Kolonie der Zeche Hermann II verschanzt haben. Bei den Kämpfen kommt ein Münsteraner Student um. Nach Erstürmung der Zeche und Besetzung des Ortes Waltrop, marschieren die Akademiker nach Castrop-Rauxel, wo sie Hausdurchsuchungen vornehmen.Die Ruhrgebietsbevölkerung empfängt die Studi-Truppen voller Hass. Nach vier Wochen kleinerer Schießereien und Verhaftungen wird das Regiment von Dortmund aus nach Münster zurücktransportiert und aufgelöst. Münsters kommandierender Generalmajor dankte den Studis, dass sie »trotz aller persönlichen Bedenken ausgehalten haben«.





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978-3-944369-22-8, Klappenbroschur, 216 Seiten mit 100 s/w-Bildern, auch als E-Book in allen gängigen Formaten erhältlich für 6,99 EUR!
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