Zurück

Eröffnungsband

Herausgegeben von Gert Vonhoff und Martina Lauster

Geprägt vom Umbruch der Jahre 1830-1848, besaß der Schriftsteller Gutzkow stets einen analytischen Blick für zeitgeschichtliche Entwicklungen. Sein Werk, eine enzyklopädische ›Physiologie des 19. Jahrhunderts‹, liegt weitgehend unerschlossen in historischen Ausgaben und Zeitschriften, und eine kommentierte Gesamtausgabe schien bis vor kurzem nicht realisierbar. Dank neuer technischer Möglichkeiten und Editionsmethoden kann dieses Ziel nun angestrebt werden, und damit öffnen sich unbeschrittene Wege in die Sozial-, Kultur- und Mentalgeschichte von Jahrzehnten, die der Beobachter und engagierte liberale Publizist Gutzkow wie kein anderer registriert, nicht selten auch mitgestaltet hat und die für uns als historisches Bewußtsein wichtig sind, um unsere Gegenwart besser verstehen zu lernen.

Dass diskursive Schreibarten zum Gebiet der ›Literatur‹ gehören und die Grenze zwischen Fiktion und Reflexion fließend ist, gehört nicht erst zu den Einsichten der Hochmoderne, sondern ist schon Gutzkows Überzeugung am Beginn des modernen Zeitalters. Traditionen der Romantik und des Idealismus fortführend und zugleich offen für die neuesten Entwicklungen Westeuropas, nimmt Gutzkow im Vor- und Nachmärz eine eigene, heute zu wenig beachtete Stellung ein.

Das Editionsprojekt Karl Gutzkow
Ein an der Keele University 1997 durchgeführtes Symposion zu Karl Gutzkow. Liberalismus – Europäertum – Modernität mündete in ein anglo-deutsches Forschungsprojekt, das sich die Edition und Kommentierung der Werke dieses Autors zum Ziel gesetzt hat.
Die Ausgabe erscheint zugleich im Druck beim Oktober Verlag und im WorldWideWeb gutzkow.de. Weil der Kommentar aufgrund der Forschungslage erst nach und nach aufgebaut werden kann, ist das Internet der richtige Ort, damit diese edition in progress schon frühzeitig zugänglich wird. Kommentar wie Texte liegen dort in zwei Formaten vor: Neben der vollständig verlinkten Fassung gibt es jeweils eine zum Druck und zur Zitation geeignete Fassung. Die Texte werden darüber hinaus als Buch im Oktober Verlag erscheinen.
Mit ihrem Grenzgang zwischen der traditionellen Editionsphilologie und der Nutzung der neuen Medien bemühen sich die Herausgeber im Editionsprojekt Karl Gutzkow zugleich um einen völlig neuen Standard für den Bereich nicht kommerzieller wissenschaftlicher Ausgaben.
Die simultane Präsentation als Buch und als Internet-Forum mit den entsprechenden Rückverweisen begründen eine neue Form der Editionsphilologie. Mit dieser Pionierleistung wird versucht, Karl Gutzkow als neuen Klassiker des neunzehnten Jahrhunderts zu präsentieren und durchzusetzen mit den Mitteln des einundzwanzigsten.
Geschaffen wird eine vollkommen neue Kommunikationssituation zwischen dem Forschenden auf der einen Seite und dem Benutzer auf der anderen Seite, wobei jetzt zum ersten Mal die temporäre Schranke zwischen Produktion und Rezeption aufgehoben wird.
Ebenfalls gibt es nicht mehr die strikte Trennung zwischen dem aktiven Editoren und dem passiven Leser: die Interaktion des so oft beschworenen Idealtypus kann so in seiner medialen Konsequenz praktisch werden
Der Eröffnungsband dient der Standortbestimmung und will zur kritischen Mitarbeit einladen.

Inhalt des Eröffnungsbandes
Vorwort der Herausgeber
Das Editionsprojekt Karl Gutzkow
Das Gutzkow-Lexikon
Aussichten einer Briefedition: Prämissen, Probleme, Projekte
Aus Abteilung I: Journalismus, Essayismus
Ueber Preisherabsetzungen im Buchhandel
Die Deutschen Uebersetzungsfabriken
Die Zeitgenossen (An Sir Ralph****)
Aus Abteilung II: Autobiographische Schriften und Reiseliteratur
Rückblicke auf mein Leben (Zeitschriftendruck)
Briefe aus Paris (Fünfter bis Siebenter Brief)
Aus Abteilung III: Literarische Werke
Novellen (Vorrede; Die Sterbecassirer)
Liste der Projektmitglieder

Inhalt der mitgelieferten CD-ROM
Ueber Preisherabsetzungen im Buchhandel
Die Deutschen Uebersetzungsfabriken
Die Zeitgenossen (Teile)
Rückblicke auf mein Leben (Zeitschriftendruck)
Briefe aus Paris (5.-7.Brief)
Die neuen Serapionsbrüder
Novellen (Vorrede; Die Sterbecassirer)
Imagina Unruh

Darstellung der Werke nach Abteilungen
Werktitel chronologisch
Werktitel alphabetisch

Materialien
Archiv: Bildteil – Porträts von Gutzkow – Karikaturen – Handschriften und Drucke – Bilder aus Berlin – Mode – Zeitgenossen Gutzkows – Quellenteil
Editionsprinzipien
Gutzkow-Lexikon
Siglen und Abkürzungen
Fragen und Probleme
Daten zu Gutzkows Leben und Werk
Stimmen zu Person und Werk
Spuren ins 19. Jahrhundert
Mitarbeiterliste


Leseprobe:

Es ist Zeit, endlich einmal an der Wurzel ein Übel anzugreifen, welches zur Schande der Deutschen Literatur immer verheerender um sich frißt. Es ist Zeit, auf die eigentliche Quelle jener erbärmlichen Nachahmungssucht hinzuweisen, welche in unserem Buchverkehr so um sich gegriffen, daß wir sie mit dem schönen Bestreben unsrer Nation, sich in alles Fremde zu vertiefen und mit unsern eignen Schätzen den Reichtum der Fremde zu vermählen, nicht mehr entschuldigen können. Die Wurzel und die eigentliche Quelle des erschreckend in unsrer neuesten Literatur zunehmenden Übersetzungsunwesens sind nicht die armen Hungerleider von Literaten, die für ein Dürftiges jene Sündfluth fremder Belletrisitk Tag und Nacht übersetzen, sondern die Buchhändler, die, vom Spekulationsteufel besessen, ihr eigenes Kapital, das Lesebedürfniß der Masse und die Interessen der Literatur in den unnützesten Übersetzungen aus dem Französischen und Englischen verschwenden. Die Buchhändler sind es, welche den Markt mit Waaren überfüllen, die die eigenen heimischen Artikel in ihrem Werthe herabdrücken; die Buchhändler sind es, die uns vor dem Auslande den Ruf einer lächerlich äffischen Nation machen, die im Auslande die Meinung verbreiten, als wäre in Deutschland mit Schiller und Göthe alles dichterische Vermögen der Nation erstorben; die Buchhändler machen uns die Schande, daß Deutschland auf solche fremde Schriftsteller Rücksicht nimmt, welche in ihrer eigenen Heimath keine Beachtung finden.





Buch bestellen (5,- EUR)

978-3-938568-07-1, 404 Seiten mit CD-ROM, Broschur. DER ERÖFFNUNGSBAND ZUM SCHNUPPERPREIS! Bisheriger Preis: 20,- €.
Zurück