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Fußball!

Vorfälle von 1996 bis 2007

Mit ›Fußball!‹ hat der auf vielen literarischen Bolzplätzen beheimatete Autor Jürgen Roth nun aber auch endgültig alle »Internas« dargelegt, die man über den Fußball des letzten Jahrzehnts aus deutscher Sicht wissen muss. Dieses Buch ist ein grundsätzlicher Schlusspfiff, ein kurzweiliges Abschiedsspiel, eine Meisterschaft der Fußball-Literatur gar! Es stellt sich zwangsläufig die Frage, ob für Jürgen Roth jetzt noch gilt: nach dem Fußball-Buch ist vor dem Fußball-Buch? Klar ist nur: ein Fußball-Buch von Jürgen Roth dauert mehr als 90 Seiten.

3. Platz beim Deutschen Fußball-Kulturpreis 2007 / Kategorie: Fußball-Buch des Jahres


Leseprobe:

Und es sprach der Allmächtige, bürgerlich Franz Beckenbauer, im Kundenserviceblatt Premiere Magazin (5/2002): »Ach, das sind doch populistische Aussagen von Politikern. Die sagen: Alle Spiele müssen ins Free-TV und dürfen kein zusätzliches Geld kosten. Klar, die Leute klatschen und denken: Bravo, das ist unser Mann! Aber ich sage Ihnen, das ist ein Populist! Wo gibt’s denn heute noch etwas umsonst?« Bei e-plus?
Es ist nicht so, daß Franz Beckenbauer zu den Intellektuellen zählt, deren öffentliche Worte den populistischen Verkürzungen, Verdrehungen und Verfälschungen das nüchterne, nicht interessengeleitete Urteil entgegenhalten. Es scheint eher so zu sein, daß sich Franz Beckenbauer nicht zu schade ist, der Postille seines Haussenders ein Interview zu gewähren, in dem er tatsächlich derart haltlos daherredet, wie das nur einer tun kann, der gar nicht mehr wahrnimmt, was er ventiliert. Und als genüge das nicht, entblößt er seine aufdringliche Opportunität zudem aufs gravierendste, indem er dem Arbeitgeber ein Zeugnis ausstellt, das zwischen Propaganda und einem irgendwie Westerwelle-affinen Dauerbekenntnis zu Wettbewerb und Leistung changiert: »Was gut ist, kostet Geld, und da gibt es im Fußball zu Premiere überhaupt keine Alternativen. Das ist das beste Programm, das es jemals in Europa gegeben hat.«
So ähnlich dürfte das auch Premieres Starreporter Marcel Reif sehen, und je schwächer das Produkt Premiere nachgefragt wird, desto lauter schallt es aus dem Blätterwald der eigenen Fernsehgemarkung. »Die Weltmeisterschaft ist einfach der absolute Höhepunkt in diesem Sportjahr«, rührt Reif verzweifelt die Trommel, und das aktuelle Premiere Magazin (6/2002) assistiert ihm angstbeladen, man warte »mit den besten Kommentatoren und Experten« auf und schaffe »mit weltmeisterlichem Aufwand« »das beste WMProgramm aller Zeiten«.
Nicht ganz. Aber ungefähr. Premiere ist gut, weil man nicht anders kann. Es fehlt das Geld, lediglich zwei Reporter weilen vor Ort, Reif und der erstaunlich engagiert-kenntnisreiche, unprätentiöse Fritz von Thurn und Taxis, und der Rest muß im Münchner Studio am Bildschirm kommentiert werden. Kein Fieldreporter nervt, kein Waldi-Hartmann-Gekumpel stört. Weit davon entfernt, »WM total« (Premiere) zu servieren, präsentiert Premiere – aus der nackten Not ward tadellose Tugend – eine entschlackte, aufs Spiel konzentrierte Weltmeisterschaft, gemäß dem ehernen Fernsehgesetz: weniger Leute, weniger Geschwätz.



Buch bestellen (14,- EUR)

978-3-938568-48-4, 409 Seiten, Broschur. Auch als E-Book in allen gängigen Formaten erhältlich!
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