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Ferienhaus für eine Leiche

Schweden-Krimi mit Rezepten

Als Gunnar Hilmarström sein Ferienhaus auf den Winter vorbereitet, macht er eine ebenso unerwartete wie schockierende Entdeckung: In der Aussteuertruhe auf dem Dachboden liegt eine unbekleidete, teilweise mumifizierte Frauenleiche! Schnell stellt sich heraus, dass die Unbekannte keines natürlichen Todes gestorben ist. Wer ist die Tote? Und wer hat sie in der alten Truhe versteckt? Womöglich eine der Sommerfamilien, die in dem Häuschen Urlaub machten? Aber wann ist das geschehen? In dieser Saison oder schon vor längerer Zeit? An Antworten auf diese Fragen sind nicht nur Gunnar und die schwedische Öffentlichkeit brennend interessiert. Hauptkommissar Sven Lundquist nimmt mit seinem Team die Ermittlungen auf, spürt die Mieter auf, forscht in den Familien nach vermissten Angehörigen.
Als plötzlich Inga, Gunnars Ehefrau und Hobbydetektivin spurlos verschwindet, bleibt Lundquist nur noch wenig Zeit, sie aus den Klauen des Mörders zu retten.
 

Leseprobe:

Er stand am Fuß der Treppe und horchte in sich hinein. Eigentlich hatte er mit Vielem gerechnet, mit einem schlechten Gewissen, quälenden Schuldgefühlen, bohrendem Skrupel oder aufgeregter Vorfreude. Doch tatsächlich empfand er nichts dergleichen. Nur eine unendliche Leere.
Noch konnte er umkehren, so tun, als habe er nie so etwas vorgehabt.
Sollte sein Plan scheitern und man ihn überführen, zöge das einen empörten Aufschrei der Scheinheiligen nach sich, er würde geächtet, von allen verteufelt. Man würde ihn hassen.
Aber das werde ich zu verhindern wissen, dachte er selbstbewusst. Schließlich bekamen sie beide, was sie verdienten: sie den Tod und er die Freiheit!
Die verzogenen Stufen der alten Holztreppe knarrten vorwurfsvoll, als er vorsichtig zu ihrem Zimmer im Dachgeschoss schlich. Nervös zuckte er zusammen. Einen Moment wartete er angespannt, eingefroren in der Bewegung. Er lauschte auf einen Ruf oder ein anderes Geräusch aus ihrem Zimmer, vielleicht ein verräterisches Husten oder eine Art Rascheln oder Zischen, hervorgerufen vom Reiben ihrer rauen und aufgerissenen Hornhautfersen auf dem kühlen glatten Bettlaken. Hatte sie ihn etwa doch kommen hören?
Zum wiederholten Mal strich er sich die Haare aus der Stirn. Würde sie jetzt, wie sonst, seinen Namen rufen? Leicht fragend, unsicher, so, als wisse sie nicht genau, ob er es war, der die Treppe herauf kam? Als ob sich in den letzten Jahren je ein Mensch hierher verirrt hätte! Lächerlich! Wer sollte schon das Bedürfnis haben, eine boshafte Alte und ihren idiotischen Sohn zu besuchen! Da kam doch nur, wer unbedingt musste.
Der Arzt zum Beispiel – doch selbst der erschien nur noch sporadisch. Und am liebsten war ihm, wenn er die zänkische Nörglerin nicht leibhaftig zu Gesicht bekam, sondern sich von ihrem Sohn alle relevanten Informationen über ihren Gesundheitszustand geben lassen konnte. Danach händigte der Arzt ihm das Rezept aus und konnte aufatmen.
Zornig ballte er die Hände zu Fäusten und rammte sie dann kraftvoll in die Hosentaschen. Schwindel ließ ihn für einen Moment taumeln.
Das ist der Hass, der mir schwarz vor Augen werden lässt!, dachte er und es erfüllte ihn fast mit Stolz. Es steckte doch noch Gefühl in ihm!
Als alles ruhig blieb, wagte er sich vorsichtig ein paar Stufen weiter.
Das hättest du nicht gedacht, begann er einen imaginären Dialog mit ihr, dass ich dazu fähig wäre! Oh, nein. Du hast mich eben völlig falsch eingeschätzt! Typisch für dich! Nie hast du meine Fähigkeiten erkannt! Nie hast du dich für deinen einzigen Sohn interessiert!
Nun konnte er schon die Tür zu ihrem Zimmer sehen.
»Ach, du bist es nur«, begrüßte sie ihn üblicherweise mit unverhohlener Enttäuschung.
Nur! Als wäre er ein Nichts! Ein Stück Dreck!
Und, während er noch damit beschäftigt war, seine Wut hinter einem milden Lächeln zu verbergen, um ihr nicht zu zeigen, dass es ihr gelungen war ihn zu verletzen, fuhr sie schon fort: »Tja, so ist der Lauf der Dinge. Wenn man alt ist, wird man von allen gemieden und die anderen wünschen einem dann nur noch den Tod, lauern darauf, dass man nun endlich stirbt.«
Diese mit leicht zitternder Stimme vorgebrachten Äußerungen waren fester Bestandteil ihres Psycho-Spiels, das einzig dazu diente ihn zu erniedrigen.


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978-3-938568-73-6, Mord und Nachschlag 4, 396 Seiten, Broschur.
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