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Picasso sehen und sterben

Provence-Krimi mit Rezepten

Kommissar Arnoults Ehefrau Suzanne starb bei einem Autounfall als seine Beifahrerin. Ist er dadurch psychisch zu instabil, um den Mord am Hausmeister Bertrand des Weinguts St. Fleurie aufzuklären, und den dort verschwundenen Picasso wiederzufinden?


Leseprobe:

Die Hydropneumatik des Citroën ließ Kommissar Arnoult vergessen, daß er eine holprige schmale Straße der dritten Ordnung gewählt hatte, die unter einem malvenfarbenen Himmel parallel zur Küste durch schroffes Gebirge verlief, dessen Konturen wie geschmolzenes Glas in der Glut der Nachmittagshitze des 12. Juli funkelten. Rechts und links der Straße war der Boden karg und trocken. Übermannshohe Macchia mit Stein- und buschigen Kermeseichen, Ginster, Myrten und Mastix übernahm das Regiment, bis nur noch der blanke weiße Felsen in die flirrende Hitze emporragte. Besorgt blickte er immer wieder in den Rückspiegel und starrte auf die feuerrote Narbe, die in einer dünnen Schlangenlinie wie ein Kainsmal auf seiner schweißnassen Stirn prangte.
Es ist der Mistral, der mich immer so in Rage bringt, dachte Arnoult wütend und fuhr sich mit der Hand über sein krauses Haar, um einige Tollen dazu zu bewegen, diesen blutroten Striemen zu bedecken. Der trockene Wind aus den Cevennen war in starken Böen über das Land hinweggetobt und hatte feinen Staub wie Patina über das Gebirge des Massif de St. Beaume gelegt und die Seelen der Menschen aufgewühlt, die durch das Tosen des Windes und den heftigen Temperatursturz nächtelang nicht schlafen konnten und nun müde und überreizt ihrer Arbeit nachgingen, in der Hoffnung, während der Mittagssiesta im Schatten einer Platane oder unter der Markise eines Bistros ein wenig des verlorenen Schlafes nachzuholen.
Arnoult bremste, parkte den ID 19 in einer Nische zwischen zwei hoch aufragenden Felsen, kurbelte die Scheibe hoch und griff nach der Landkarte, die er im Handschuhfach deponiert hatte. Er vergewisserte sich, daß er nur noch wenige Kilometer zu fahren hatte, bis er die D 66 in Höhe von St. Louis/Les Lecques verlassen und eine kurvenreiche Straße wählen konnte, die ihn in halsbrecherischen Serpentinen bis zu der zerklüfteten buchtenreichen Felsenküste mit den handtuchschmalen Kiesstränden hinunterbrachte, die sich von St. Cyr-sur-mer im Osten bis Bandol im Westen erstreckt.
Die Villa St. Fleurie war bereits von der Straße aus zu sehen. Das ockerfarbene zweigeschossige Gebäude lag am Ende eines Feldweges, der rechts und links von hundertjährigen Palmen gesäumt war, umgeben von verdorrten Weinfeldern, deren knorrige Rebstöcke wie anklagende Finger aus dem staubtrockenen Boden ragten. Grüne verwitterte Schlagläden, die geschlossen waren, ließen das Anwesen kahl und verlassen aussehen.
Arnoult parkte den Citroën zwischen dem blauen Renault der Präfektur und einem weißen Peugeot 306, der vermutlich Inspektor Roubaix gehörte. Im Schatten einer Akazie stand ein silbergrauer Alfa Romeo Twin Spark. Wem auch immer dieser Wagen gehörte, er hatte einen Sinn für Form und Farbe, entschied Kommissar Arnoult. Er erinnerte sich wehmütig daran, daß er vor seinem Unfall, der Suzanne das Leben gekostet und ihm diese Narbe wie einen zornigen Gott der Rache bescherte, mit dem Gedanken spielte, sich ein sportliches Coupé zuzulegen. Arnoult seufzte müde, straffte dann aber seine Schultern und ging mit festen Schritten auf das Haus zu.
Ein Polizist in schwarzglänzenden Stiefeln, Breeches und einem breiten Ledergürtel stand stumm wie einen Statue auf der letzten Stufe einer Steintreppe und bewachte den Eingang. Er nickte kurz mit dem Kopf und öffnete die eine Hälfte eines schweren Portals, als Arnoult seinen Dienstausweis zeigte.


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978-3-938568-40-8, Mord und Nachschlag 1, 189 Seiten, Broschur, auch als E-Book in allen gängigen Formaten erhältlich für 5,99 EUR!
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