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Harte Kerle

Was wäre unsere Kultur ohne ihre Heroen, Schreihälse, Revoluzzer – und Großverbrecher? Ohne Long John Silver, Spider-Man, Dr. Jekyll/Mr. Hyde, Charles Bukowski, Richard Hell, Woody Guthrie, Johnny Cash etc.? Jene ›harten Kerle‹, die man bewundern und auch belächeln kann, die man einfach lieben oder abgrundtief verachten muß. Frank Schäfer erzählt uns auf unterhaltsame Weise ihre Geschichten und nimmt auch die unbekannten, verkannten Typen in den Blick. Eins steht fest: Hartgekocht sind sie alle!

»Es sind alles harte Kerle in dem Sinne, daß sie etwas, das sie sich vorgenommen haben, absolut halsstarrig verfolgen und auch moralische Einwände über Bord werfen, wenn es nötig ist.« (Frank Schäfer)


Inhalt:


Helden
In den Teufelszügen. Woody Guthrie
The Man In Black. Johnny Cash zum 70ten
Diese krummgeschißnen Irrenautographen. Peter Rühmkorf
Raushämmern was drin ist. Charles Bukowski
Der Fall Nestor Burma
Einer von uns. Spider-Man
Der Bison. Neil Young
Natural Born Punk. Richard Hell

Schreihälse
Bitter Bierce
Gegnd voller Deppm. Arno Schmidts Austriophobie
Handkes Erfahrungen
Auf der schiefen Bahn. Motörhead

Revoluzzer
Der Tyrannenfresser. Gottfried August Bürger
Der Wandelstern. Jacob Michael Reinhold Lenz
Ubi bene, ibi patria. Georg Forster
Der Weltmitschreiber. Karl Ferdinand Gutzkow
Wider das freche Menschenwort. Fritz Mauthner
Ein prähistorischer Riese. John Cowper Powys
Der primäre Trieb. Wilhelm Reich

Verbrecher
Ein fast gelehrter Unmensch. Christoph Meiners
Ein wetterwendischer Teufel. Long John Silver
Das Böse in Reinkultur. Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Holz bildet, Eisen erzieht. Über NS-Kunst
Die Rückkehr der harten Jungs

Pechvögel
Ich, der Gott Wezel
Einfach; kräftig; viel Fleisch. Essen mit Arno Schmidt
Ein unglücklicher Mann. Richard Brautigan
Aufs Papier gerotzt. Wolfgang Welt


Leseprobe:

EINER VON UNS Spider-Man

»Fragen auch Sie sich manchmal, ob sein Netz aus der Hand oder aus einer Art Apparatur kommt?« kommentiert ein Sensationsreporter in Heft 17 (vom 28. April 2002) den einmal mehr agilen Abgang »des erstaunlichen Spider-Man«, wie er jetzt schon eine Weile in der deutschen Übersetzung bei Panini Comics heißt. Dieser durchaus zweideutige Kommentar ist nur einer von vielen Verfremdungseffekten der aktuellen Serie, die es aber schon immer gab, also mindestens seit den goldenen Marvel-Zeiten der 70er Jahre. V-Effekt insofern, als er die Fiktionsebene durchbricht und ironisch anspielt auf die heiße Diskussion in den Chatrooms, in denen schon seit einiger Zeit das Für und Wider von Sam Raimis Modifikationen in seiner filmischen Adaption gestritten wird. Es sind nur Kleinigkeiten, aber unter Freunden sind es nun mal die Kleinigkeiten, über die man sich in die Haare bekommt: Die einstmals – das heißt 1963, das heißt in Zeiten atomarer Aufrüstung – radioaktive Spinne, die den arglosen Teenager Peter Parker durch ihren Biß zum Superhelden Spider-Man macht, wird in Zeiten von Stammzellenforschung und Genomanalyse zum genetisch veränderten Achtbein. Und wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß die Exponate der Pop-Kultur nicht zuletzt Sammel- und Auffangbecken der jeweils kurrenten Diskurse sind, hier hätte man wieder einen.
 


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978-3-938568-21-7, Essay 05, 176 Seiten, Klappenbroschur, ehemaliger Preis: 14,- Euro.
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