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Oktobermeer

Roman

In »Oktobermeer« schildert Eriksson eine dramatische Dreiecksgeschichte, die sich in Grisslehamn und Stockholm in den 1980ern abspielt.
Der sowjetische Seemann Michail springt von seinem Schiff ins Meer, kommt am Strand von Grisslehamn an Land und trifft dort als erstes die verheiratete Lehrerin Helena. Michail hat seine Frau und seinen Sohn in der Sowjetunion zurückgelassen, nun drängt es ihn zwischen Helena und ihren Mann Rolf. Die komplizierte Geschichte hat kein glückliches Ende, aber Erik Eriksson gelingt es dennoch, diese wehmütige und traurige Liebesgeschichte auf eine sehr anrührende Weise zu Ende zu bringen.

Leseprobe:

Es hatte die ganze Woche über geregnet, es war nicht besonders kalt, hinten auf dem Hügel am Hafen, dort wo die Campingwagen parkten, trugen die Eichen noch ihr grünes Laub. Einige Touristen waren noch da, aber die Imbissbuden waren geschlossen, die Saison war zu Ende. Tagsüber war ich mit Schreiben beschäftigt, abends saß ich am Kaminfeuer und las; ich hatte im Frühsommer einige große Kiefern fällen lassen und heizte jetzt mit deren Holz.
Eines Abends wurde ich recht spät von einem unbekannten jüngeren Mann angerufen, er sprach englisch mit einem Akzent, er entschuldigte sich, nahm an, dass er störe. Ich sagte, dass ich für gewöhnlich lange auf sei, und dass es deshalb nichts ausmache.
Der Regen hatte während des Gesprächs an Stärke zugenommen, es pladderte laut auf das Dach des Gewächshauses draußen vor dem Wohnzimmer, in dem ich saß. Natürlich war es reiner Zufall, dass der Unbekannte gerade an diesem Abend angerufen hatte, die ganze Woche hatte es geregnet. Es sollte sich jedoch zeigen, dass das Wetter für ihn von großer Bedeutung war. Der Herbstregen war wichtig.

Der Unbekannte kannte meinen Namen, er nannte mich Sir, Mister, er war auf eine altmodische Art sehr höflich. Vielleicht war er ein wenig nervös, er hatte vergessen, sich selbst vorzustellen. Ich fragte ihn nach seinem Namen.
»Anton, ich bitte um Entschuldigung, ich heiße Anton, ich komme aus Sankt Petersburg.«
»Ah, ja?«
»Ich glaube, Sie haben meinen Vater gekannt, er hat sich eine Zeitlang in Schweden aufgehalten.«
»Ah, ja?«
»Er ist im Herbst 1977 hier gewesen, auch einige Zeit im darauf folgenden Jahr, er ist von einem russischen Schiff gekommen, ja, unser Land hieß ja damals Sowjetunion, deshalb muss man wohl sagen, dass das Schiff sowjetisch war, es war ein sowjetisches Lastschiff.«
»Wie hieß Ihr Vater denn?«
»Michail Stein.«
Ich glaube, ich habe eine ganze Weile schweigend dagesessen, ich hörte, wie der Mann atmete, ich überlegte, ich wusste nicht, was ich glauben sollte. Ich kannte Michail Stein, aber wie konnte diese unbekannte Person denn wissen, dass ich das alles durch einen reinen Zufall erfahren hatte? Dieser Unbekannte kam außerdem offenbar aus diesem chaotischen Russland, ich fühlte eine leise Unruhe in mir aufsteigen. »Warum rufen Sie mich eigentlich an«, sagte ich schließlich und versuchte nicht, meine Zweifel zu verbergen.
»Ich weiß, dass ich Sie belästige«, antwortete der Mann, der sich Anton nannte, »mir ist klar, dass ich aufdringlich bin, das hier ist jedoch sehr wichtig für mich. Sie hatten Kontakt mit den Verwandten der Frau, die mein Vater hier in Schweden kennen gelernt hat.«
»Und wenn das so sein sollte?«
»Sie können mir helfen, ich bitte Sie darum, Sie könnten mir die allergrößte Hilfe sein.«



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978-3-941895-02-7, Broschur, 323 Seiten, auch als E-Book in allen gängigen Formaten erhältlich für 4,99 EUR!
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