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Schriften zum Buchhandel und zur literarischen Praxis

Herausgegeben von Christine Haug und Ute Schneider

Schriften zur Literatur und zum Theater
Band 7


In seiner lebenslangen Auseinandersetzung mit Entwicklungen auf dem literarischen Markt beweist Gutzkow ein außerordentliches Gespür für die folgenreiche Kommerzialisierung des Publikationswesens, von der neuen Pfennigliteratur der 1830er Jahre bis zu den illustrierten Prachtausgaben, den Taschenbuchserien und dem »Gartenlaube«-Journalismus des späteren Jahrhunderts. Als Berufsschriftsteller setzt sich Gutzkow zugleich vehement für eine existentielle Absicherung dieser neuen Gruppe von Literaturproduzenten ein, sowie für ein Berufsethos, das der zunehmenden Aushöhlung des Publizierens durch kommerziellen Druck widersteht. Der Band vereint Journalartikel zu diesem Themenkomplex, die Gutzkows lange Schaffenszeit umspannen, und ermöglicht so einen einzigartigen Blick auf die Verhältnisse im Verlags- und Druckgewerbe und im literarischen Leben des 19. Jahrhunderts.


Leseprobe:

[Verbot von Jungs »Literaturblatt«.]

Die Königsberger Zeitung bestätigt das uns unglaublich geschienene Gerücht vom Verbot des Jung'schen Literaturblattes. Sie rügt diesen Schritt des Ministeriums mit einem Freimuth, mit einem Unwillen, in welcher jeder einstimmen muß, der die harmlose Tendenz dieses Journals, die weise Mäßigung seines Herausgebers kennt. Allerdings muss man mit der Königsberger Zeitung ausrufen, was soll aus dem Verkehr der Geister, was soll aus den friedfertigsten Bestrebungen der Wissenschaft werden, wenn man ein solches gediegenes, würdig gehaltenes und nur für einen engen Kreis Gebildeter geschriebenes Blatt unterdrücken kann! Wir müssen noch unsererseits eine Bemerkung hinzufügen. Alexander Jung hat sich von Seiten der Deutschen Jahrbücher wegen seiner milden und unversöhnlichen Wirksamkeit einen harten Angriff zugezogen. Jung hat in seinem Versammlungstriebe an Schelling angeknüpft, Schellingen das Wort geredet, ja Schelling und seine Anhänger haben seine Beurtheilung der berühmten Schellingschen Rede zur Empfehlung in der A. Allgemeinen Zeitung abdrucken lassen. Dennoch verbieten sie das Literaturblatt! Dennoch machen sie einen geistvollen, edlen und besonnenen Schriftsteller brotlos! *)
Miscellen. Telegraph für Deutschland, [29.] Oktober 1842.


*) So eben verlautet, daß die Nichtfortsetzung des Jung'schen Literaturblattes durch einen Wechsel des Verlagortes bedingt ist. Im Grunde ist die Sache dieselbe. Warum kann für einen Verleger in Königsberg nicht ein Verleger in Danzig eintreten? Warum dem Menschenrechte diese Weitläufigkeiten, diese Förmlichkeiten? Man wird durch die Angelegenheit sehr stark an die Geschichte des Athenäums von Riedel und Meyen erinnert. Doch fiel die letztere noch unter dem Ministerium Rochow vor.




Buch bestellen (39,- EUR)

978-3-938568-69-9, Leinen mit Schutzumschlag und Fadenheftung, 313 Seiten, 39,– €.
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