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Ulrich Land

Ulrich Land, geboren 1956 in Köln, lebt als freier Schriftsteller in Freiburg. Er schreibt Lyrik, Erzählungen, Essays und hat inzwischen annähernd 40 Hörspiele und mehr als 60 Funkfeatures für verschiedene ARD-Sender verfasst. Seine Radiosendungen wurden mehrfach ausgezeichnet. Seit 2005 ist er Dozent für »creative writing« unter anderem an der Universität Witten/Herdecke. »Der Letzte macht das Licht aus« ist sein Debütroman, danach folgten drei weitere Krimis in unserer Reihe »Mord und Nachschlag«.

Siehe auch www.ulrichland.de
 


Interview zu Krupps Katastrophe:


1. Woher kam die Idee, einen Krimi rund um den historischen Stoff des Krupp-Endes zu schreiben?
Ich bin über einen »Zeit«-Artikel gestolpert, der sich dem Bismarck-Zeichner Allers widmete, wiel dieser als Sündenbock und Bauernopfer für den Krupp-Skandal herhalten musste. Im Übrigen schreibe ich historische Ereignisse für mein Leben gern fiktional weiter. Kontrafraktur, habe ich mir sagen lassen, nennt sich diese Masche. Also dann meinetwegen: Kontrafraktur! Zumal wenn ein historischer Background so viel Ungereimtheiten enthält wie der des Aufstiegs und Falls von Friedrich Alfred Krupp. Der musste einfach mal dichterisch besungen werden.

Was mich besonders an dieser Art zu schreiben reizt, ist das (Verwirr-)Spiel mit Fakten und Fiktion, das, wenn es gut läuft, so weit geht, dass man als Leser irgendwann nicht mehr weiß, was hier Dichtung und was Wahrheit ist, und dass man es am Ende vielleicht gar nicht mehr wissen will. »Anwalt« für dieses literarische Verfahren ist hier im Krupp-Roman der Enkel, dem Fahrenhorst die ganze Story (angeblich, versteht sich) zutrug; im Manuskript stets eingerückt und in einer anderen Schrift gesetzt.

2. Norwegen, Eifel/Island, Nordatlantik, Capri/Ruhrgebiet – im Gegensatz zu vielen anderen Autoren hast du dich nicht für eine Krimi-Reihe in einer bestimmten Region mit einem immer wiederkehrenden Ermittler-Team
entschieden – wieso?

Einer der Gründe ist, dass ich mir gern Figuren und Typen ausdenke, und es kommt mir irgendwie langweilig vor, immer denselben Gimpeln bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Außerdem kann das natürlich bei dem oben beschriebenen Verfahren nicht funktionieren, da es ja um jeweils einen anderen historischen Fall und damit um ein dezidiertes Umfeld mit ganz bestimmten Figuren geht, die ich zumeist möglichst nah an der real existierenden historischen Situation, um die es geht, anzudocken versuche. Es wird mir also auch fürderhin dieser Rechercheaufwand und die Annäherung an jeweils neue »Helden« kaum erspart bleiben. Wie schön.

3. Hast du schon eine Idee, wo der nächste Krimi spielen soll?
Wenn sich der Oktober Verlag drauf einlässt, würde ich unsere Leser gern ins elisabethanische England entführen, denn im Team Shakespeare gibt's mächtig Zoff! (Aber da stecke ich noch sehr in den Anfängen und will keinesfalls zu viel versprechen. Mal schauen...)

4. Woher kommt dein Faible für Morbides in deinen Geschichten?
Ich glaube, dass es zwei ganz wesentliche Triebfedern (und womöglich NUR diese) für das menschliche Tun und Lassen gibt: Sex und Tod. Also alles, was mit Liebe, (Herzblut-)Arbeit, Eros und Reichtum im materiellen wie ideellen Sinne zu tun hat, einerseits. Und andererseits alles, was mit dem destruktiven Gegenteil zu tun hat. Freud, ick hör dir trapsen. Jau, ich weiß. Aber macht ja nichts. Wo er eben recht hat, hat er eben recht. Aus genau dieser Spannung jedenfalls schlagen die Funken in meine Feder – um's mit poetisch-pathetischen Girlanden zu behängen.

5. Du bist Dozent für Creative Writing-Kurse, hast du selber mal an so etwas teilgenommen?

Nein, nie. Ich hab mal in einem Crash-Kurs das Radiomachen gelernt bzw. in dreien. Aber da ging's nicht um das literarische Schreiben. Nein nein, alles, was ich in diesen Uni-Seminaren anbiete, hab ich mir selber aus den Fingern gesogen. Sowohl inhaltlich als auch didaktisch. Und bis heute weiß ich nicht wirklich, wie's letztlich funktioniert, das kreative Schreiben, und was es im Innersten zusammenhält. Wenn ich's wüsste, würde ich vermutlich keine Seminare mehr dazu abhalten.

6. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Wie die allermeisten anderen wahrscheinlich auch: durch die Liebe. Durch ganz viel Selbstliebe bzw. durch die Eitelkeit, was ganz anderes machen zu wollen als alle anderen. Durch Liebe zu meinem Großvater, den ich nie gekannt habe, weil er lange vor meiner Geburt gestorben ist, der aber als Enfant terrible in der Familie galt und mit dem ich mich über Jahre literarisch befasst habe, obwohl von all diesen Texten nicht eine einzige Zeile je veröffentlicht wurde. Liegt alles noch in irgendwelchen Pappschachteln hier hinter mir im Regal. Durch Liebe zu meiner damals Festen, der ich meine allererste Story gewidmet habe. Sowohl diese Liebe als auch die Geschichte sind allerdings verschollen. Irgendwie schad' drum.

Vielen Dank für das Interview.
 
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